Freitag, 28. Januar 2011

Der User

Ich hatte mich ja bereits in der Vergangenheit über den Anwohner als schlimmste Form menschlichen Lebens ausgelassen, nun möglicherweise habe ich mich geirrt. Denn der schlimmste Mensch im ganzen Land ist nicht der Denunziant, sondern der User. Genau genommen der Kommentierende User.

Wie Pilze sind Sie in den vergangenen Jahren aus dem Boden geschossen die Kommentarfunktionen auf den unterschiedlichen Nachrichtenseiten dieser Republik. Ob es nun Spiegel online ist, wo die Funktion noch euphemistisch als Forum bezeichnet wird, oder Bild online überall dürfen User Ihre Meinung abladen und davon machen bestimmte Menschen mehr als reichlich Gebrauch. Übrigens sind die Unterschiede in der Qualität der Userkommentare zwischen Bild und SPON sehr gering.

Es ist schon lustig was für Menschen sich vornehmlich auf diesen Seiten tummeln, wenn man die Beiträge liest scheint es sich um verbitterte Frührentner mitte vierzig zu handeln, die seit einigen Monaten ihr Haus nicht mehr verlassen haben. Menschen, die mindestens zwei Billyregale voller Bücher aus dem Koppverlag besitzen. Es ist exakt die Sorte Mensch, deren ableben erst bemerkt wird, wenn es im Treppenhaus anfängt zu müffeln. Mag sein, dass ich mich zu sehr aufrege, aber der Frust ist zu groß.

Egal um was es in einem Artikel geht, ob nun ein grausiges Unglück oder ausnahmsweise mal eine wirklich gute Nachricht. Die Kommentare ähneln sich. Da wird Häme über Opfern ausgegossen, oder die Weltverschwörung gepredigt, da werden krudeste Thesen gedroschen und voller Neid und Mißgunst auf jene geschielt, die glücklich sind. Wenn das die demokratisierung der Meinung im Internet ist, dann bin ich ein Anhänger der Monarchie. Was gewinnt die Welt durch Kommentare? Wenn jemand etwas kluges von sich geben möchte kann er ja einen Leserbrief schreiben, wie in der guten alten Zeit der Printmedien. Dann hätten die armen Onlineredakteure auch endlich mal wieder Zeit was anderes zu tun, als den Müll aus dem Kommentarbereich zu tragen.

Montag, 27. Dezember 2010

Mein Hund war ein Spezietist

Vor einiger Zeit entdeckte ich in Berlin den Stand einer Veganergruppe, die dort Tofuwürstchen feilbot und die vorübergehenden vom veganen Lebensstil zu überzeugen suchte. Da ich eine Schwäche für Diskussionen mit Sektierern und religiösen Fundamentalisten habe, war ich nur zu gerne bereit mich bekehren zu lassen.

Lang und breit wurde mir erläutert wie grausam Tiermorden und Essen ist, und das der Mensch ja nun auch ohne tierische Produkte gut und schmackhaft essen könne. Vor meinem geistigen Auge betrachtete ich meinen Frühstückstisch ohne tierische Produkte und beschloss, dass man ohne Sie möglicherweise nicht ganz so glücklich werden könnte, wie der junge Mann mir zu erklären versuchte.

Abschließend bot er mir ein Tofuwürstchen an, dessen Vorzüge er derart lobte, dass ich ihn für eine Werbeagentur vom Fleck weg engagiert hätte. Weniger Cholesterin, weniger Fett, weniger Gift. Was er vergaß zu erwähnen, war ein ziemlich großes weniger an Geschmack und das ist der springende Punkt. Wir haben Millionen Jahre gebraucht um von einem kleinen Primaten, der in ständiger Angst leben musste gefressen zu werden an die Spitze der Nahrungskette zu gelangen und jetzt gibt es allen ernstes Menschen, die dies ohne Not preisgeben wollen. Ich gebe ja zu, dass es einen gewissen Charme hat einig mit der Natur zu leben, aber seien wir ehrlich - Kunstleder stinkt, Schurwollpullis halten warm und ein Steak ist nun einmal eine köstliche Angelegenheit, die mir kein Tofu auf der Welt ersetzen kann.

Ich hatte mal einen Hund, der in dieser Frage eine etwas fundamentalistischere Meinung vertrat, als ich. Auch ihm hat man ein veganes Würstchen angeboten und er biss gegen jede Regel in die Hand die ihn füttern wollte. Beim ersten Bissen in die dargereichte Tofuwurst machte sich bei mir sofort totales Verständnis für das üble Verhalten meines Vierbeiners breit. Aber Millionen Jahre Evolution und ein großes Gehirn ließen mich davon absehen den Ökolisten wirklich zu beißen.

Sonntag, 26. September 2010

Der Anwohner 2.0

Bereits der großartige Herr Wischmeyer hat den Anwohner als die übelste Ausgeburt der menschlichen Spezies erkannt, dass dieser sich aber zu solchen Höhen aufschwingt hätte wohl kaum jemand gedacht. Es scheint als entwickle sich ganz Deutschland zu einem Volk von Anwohnern, denn jeder ist irgendwo ja Anwohner.

Da protestiert man auch von Hamburg aus gegen ein Bahnprojekt in Stuttgart und aus einem typischen Anwohnerprotest in dem es vor allem um das Recht ging den Wert der persönlichen Wohnhölle zu erhalten, entwickelt sich eine Grundsatzdebatte um Demokratie und überhaupt. Die Straße ist dabei natürlich erstmal Kuchengut, denn nur ihr kann das wahre und gerechte Wort gehören. Die Politiker sind wieder die Bösen, die gegen den eigentlichen Souverän entscheiden. Nur existiert ein Projekt wie Stuttgart 21 nicht erst seit sechs Monaten, sondern wird bereits seit mehr als 15 Jahren geplant, in Gemeinde- und Stadträten in Bauausschüssen und Umweltbeiräten. Wie bei jedem Projekt dieser Größe lagen öffentlich Pläne aus und ein jeder hätte nach seiner Facon Einspruch erheben können. Der Anwohner hat aber Angst und vor allem wenig Lust sich mit der Gesamtheit der Pläne zu beschäftigen, es geht ihm persönlich ja nur um die Bedeutung der 2,5 Meter Bahntrasse, die direkt an seinem Anwesen vorbei oder drunter durch führen.

Vorgeschoben wird natürlich eine Empörung über die Kosten und die Sinnlosigkeit des bekämpften Projektes und sofern möglich noch eine Kolonie possierlicher Feldhamster. Der Protest beginnt erst wenn 15 Jahre ins Land gegangen sind, die Pläne fertig und genehmigt und die Finanzierung gesichert sind. Denn es wäre ja zu einfach gewesen vorher zur Kommunalwahl zu gehen und sein Kreuzchen bei den Gegnern zu machen. Jetzt wird der Protest auf die Straße getragen und aus ganz Deutschland solidarisieren sich andere Anwohner und fordern ein einlenken der demokratisch gewählten Diktatoren. Das ein Bahnhofsumbau sich positiv auf den Bahnverkehr der gesamten Großregion Stuttgart auswirken könnte, daran wird natürlich nicht gedacht.

Der Facettenreichtum des Anwohners kennt keine Grenzen, hier ist er gegen Atomkraft, da gegen neue Windräder und die Hochspannungstrassen für ein modernes Verbundnetz darf auch auf keinen Fall in 20km Umkreis um das sauer ersparte Eigenheim errichtet werden. Denn Strom kommt ja bekanntlich aus der Steckdose und eine Wertminderung ist dem Häuslebauer nun wirklich nicht zu vermitteln. Schließlich isst er die nächsten 30 Jahre nur Margarine statt Butter, bis der Kredit abgestottert ist.
landbote

Sonntag, 24. Januar 2010

Westerwelle will Ausstiegsprogramm für Taliban

Bundesaussenminister Westerwelle ist davon überzeugt, dass man viele der Aufständischen in Afghanistan durch vernünftige Aussteigerprogramme zum überlaufen bewegen könnte. Wir waren schon immer davon überzeugt, dass man den armen Jungs nur einen Fernseher und eine Mofa vor die Tür stellen muss und aus wärs mit dem Aufstand. Das Bundesuassenministerium arbeitet jetzt an einem Programm mit dem Titel "Exchange: Kalashnikov gegen Bausparvertrag", damit wird man viele Talibankrieger wieder zurück in die Mitte der afghanischen Gesellschaft holen.
Unser Innenminister Lothar de Maizier warnte indes vor allzu großen Hoffnungen: "Wenn wir es schaffen, daß Steinigungen nur noch unter Ausschluß der öffentlichkeit stattfinden und man Dieben statt der ganzen Hand nur den Daumen abhackt, dann hat sich der Einsatz gelohnt."
landbote

Montag, 18. Januar 2010

Gottes Strafe traf Haiti

Es ist amtlich, aus für alle Atheisten, denn das Erdbeben auf Haiti war eine Strafe Gottes. Der amerikanische Fernsehprediger Pat Robertson, konnte anhand einer klaren Beweiskette nachweisen, dass das karibische Land im Pakt mit dem Teufel steht und darum von Gott gestraft wurde. Man hat den Teufel um Hilfe im Unabhängigkeitskampf gegen die Franzosen gebeten und sei dafür einen Pakt eingegangen.


Ja ne ist klar.

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